Ratgeber

WEG — Wohnungseigentümergemeinschaft: Was Käufer wissen müssen

Wer eine Eigentumswohnung kauft, wird automatisch Teil der WEG. Was das bedeutet, welche Rechte und Pflichten entstehen und worauf man vor dem Kauf achten sollte.

WEG — Wohnungseigentümergemeinschaft: Was Käufer wissen müssen

Was ist eine WEG?

Die Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) entsteht automatisch, wenn ein Haus in einzelne Eigentumswohnungen aufgeteilt ist. Jeder Wohnungseigentümer gehört zur WEG. Gemeinsam entscheiden alle über das Gemeinschaftseigentum: Dach, Fassade, Treppenhaus, Aufzug, Heizung.

Sondereigentum vs. Gemeinschaftseigentum

WEG — Wohnungseigentümergemeinschaft: Was Käufer wissen müssen
Sondereigentum (Ihres allein)Gemeinschaftseigentum (aller)
Ihre Wohnräume, Küche, BadDach, Fassade, Fundament
Nichttragende InnenwändeTragende Wände und Decken
Bodenbelag (nicht Estrich)Treppenhaus, Aufzug
InnentürenEingangstür, Haustür
Fenster (innen), RolllädenFensterrahmen außen (strittig)

Wichtig: Was genau zum Sondereigentum gehört, steht in der Teilungserklärung. Diese muss vor Kauf genau geprüft werden.

Das Hausgeld

Jeder Eigentümer zahlt monatlich Hausgeld = Vorauszahlung auf gemeinschaftliche Kosten:

  • Instandhaltungsrücklage (Pflicht seit WEG-Reform 2020)
  • Verwaltungsgebühr (Hausverwaltung)
  • Allgemeinstrom, Wasser, Aufzugswartung
  • Versicherungen (Wohngebäudeversicherung)
  • Hausmeister, Reinigung, Gartenpflege

Typisch: 2–4 €/m² pro Monat. Bei 80 m²: 160–320 €/Monat. Bei Nebenkosten für Eigennutzung kommt das noch oben drauf!

Die Eigentümerversammlung

Mindestens einmal jährlich trifft sich die WEG zur Eigentümerversammlung. Dort werden abgestimmt:

  • Jahresabrechnung genehmigen
  • Wirtschaftsplan für nächstes Jahr
  • Instandhaltungsmaßnahmen beschließen
  • Hausverwaltung beauftragen oder abberufen
  • Sonderumlage bei unerwarteten Kosten

Sonderumlage: Das Risiko

Wenn die Instandhaltungsrücklage für eine große Maßnahme nicht reicht, beschließt die WEG eine Sonderumlage — alle zahlen nachträglich. Beispiele:

  • Dachsanierung: 3.000–8.000 € pro Einheit
  • Aufzug erneuern: 2.000–6.000 € pro Einheit
  • Fassadensanierung: 3.000–10.000 € pro Einheit

Das Risiko: Sie müssen zahlen, auch wenn Sie dagegen gestimmt haben. Deshalb vor dem Kauf prüfen: Wie groß ist die Rücklage? Welche Maßnahmen stehen an?

Was vor dem ETW-Kauf prüfen?

Wichtige Unterlagen anfordern

  • [ ] Teilungserklärung + Gemeinschaftsordnung
  • [ ] Protokolle der letzten 3 Eigentümerversammlungen
  • [ ] Aktuelle Jahresabrechnung
  • [ ] Wirtschaftsplan laufendes Jahr
  • [ ] Stand der Instandhaltungsrücklage
  • [ ] Offene Sonderumlagen oder beschlossene Maßnahmen

Rote Flaggen

  • Rücklage unter 10 €/m² (zu niedrig bei älterem Gebäude)
  • Protokolle zeigen Streit oder blockierte Beschlüsse
  • Hausverwaltung wurde mehrfach gewechselt
  • Unklare Sonderumlage-Beschlüsse stehen an

WEG-Reform 2020: Was hat sich geändert?

  • Beschlussfähigkeit: Versammlung ist immer beschlussfähig (nicht mehr Mindestquorum nötig)
  • Online-Teilnahme: Eigentümer dürfen per Videokonferenz abstimmen
  • Bauliche Veränderungen: Einzelne Eigentümer können Maßnahmen (Ladepunkt, Barrierefreiheit) leichter durchsetzen
  • Rücklage: Angemessene Bildung ist jetzt ausdrücklich Pflicht

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