Das Hausgeld ist eine der wichtigsten monatlichen Belastungen für Wohnungseigentümer — und wird beim Kauf einer Eigentumswohnung häufig unterschätzt. Wer nur auf den Kaufpreis schaut und das Hausgeld vergisst, rechnet sich arm. Hier erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen.
Was ist das Hausgeld?
Das Hausgeld (auch Wohngeld genannt, nicht zu verwechseln mit dem staatlichen Wohngeld!) ist die monatliche Zahlung, die jeder Wohnungseigentümer in einer Eigentümergemeinschaft (WEG) leistet. Es deckt alle gemeinschaftlichen Kosten des Gebäudes und der Anlage.
Rechtliche Grundlage ist das Wohnungseigentumsgesetz (WEG). Jeder Eigentümer ist verpflichtet, das Hausgeld entsprechend seinem Miteigentumsanteil (MEA) zu zahlen — unabhängig davon, ob er die Wohnung selbst bewohnt oder vermietet.
Was ist im Hausgeld enthalten?

Umlagefähige Kosten (auf Mieter überwälzbar)
Wenn Sie die Wohnung vermieten, können Sie diese Kosten als Betriebskosten auf den Mieter umlegen:
- Heizkosten und Warmwasser (anteilig)
- Kaltwasser, Abwasser
- Müllabfuhr, Straßenreinigung
- Gartenpflege, Winterdienst
- Aufzugsbetrieb und Wartung
- Gebäudeversicherung
- Allgemeinstrom (Flur, Keller, Tiefgarage)
- Hausmeister (anteilig)
Nicht umlagefähige Kosten (trägt Eigentümer selbst)
- Hausverwaltungsgebühren
- Instandhaltungsrücklage
- Verwaltungsbeirat-Aufwandsentschädigung
- Kontoführungsgebühren der WEG
- Sonstige Verwaltungskosten
Wie hoch ist das Hausgeld durchschnittlich?

| Gebäudetyp | Durchschnittliches Hausgeld | Davon Instandhaltungsrücklage |
|---|---|---|
| Neubau (1–5 Jahre) | 2,00–2,50 €/m² Wfl./Monat | 0,50–1,00 €/m² |
| Neuerer Bestand (5–20 Jahre) | 2,50–3,50 €/m² Wfl./Monat | 1,00–1,50 €/m² |
| Älterer Bestand (20–40 Jahre) | 3,00–4,50 €/m² Wfl./Monat | 1,50–2,50 €/m² |
| Altbau (40+ Jahre) | 4,00–6,00 €/m² Wfl./Monat | 2,00–4,00 €/m² |
| Luxus-Objekte mit viel Ausstattung | 5,00–10,00 €/m² Wfl./Monat | Variiert stark |
Beispiel: Eine 75-m²-Wohnung in einem 20 Jahre alten Gebäude kostet typischerweise 225–338 € Hausgeld pro Monat. Davon können Sie bei Vermietung ca. 140–200 € auf den Mieter umlegen.
Die Instandhaltungsrücklage — der wichtigste Posten

Die Instandhaltungsrücklage (IHR) ist das Sparkonto der WEG. Sie wird für größere Reparaturen und Sanierungen gesammelt — Dach, Fassade, Heizung, Aufzug. Eine gut gefüllte Rücklage ist ein Qualitätsmerkmal einer gut verwalteten WEG.
Laut II. Berechnungsverordnung wird als Richtwert empfohlen:
- Gebäude bis 22 Jahre: 7,10–9,00 €/m² Wfl./Jahr
- Gebäude über 22 Jahre: 9,00–11,50 €/m² Wfl./Jahr
- Gebäude mit Aufzug: Zuschlag von 1,00–2,00 €/m²/Jahr
Achtung: Viele WEGs haben zu niedrige Rücklagen. Wenn Sie eine Wohnung kaufen und die Rücklage ist gering, droht eine Sonderumlage — eine außerplanmäßige Zusatzzahlung, die schnell 5.000–30.000 € pro Einheit erreichen kann.
Checkliste: Hausgeld vor dem Kauf prüfen
- ☑ Aktuelle Hausgeld-Höhe und Aufschlüsselung anfordern
- ☑ Höhe der Instandhaltungsrücklage einsehen (Kontoauszug WEG)
- ☑ Letzte 3 Jahresabrechnungen anfordern und prüfen
- ☑ Protokolle der letzten 3 Eigentümerversammlungen lesen
- ☑ Offene Sonderumlagen oder geplante Maßnahmen erfragen
- ☑ Hausverwaltung und deren Ruf recherchieren
- ☑ Zustand von Gemeinschaftsflächen bei Besichtigung prüfen
- ☑ Teilungserklärung und Gemeinschaftsordnung lesen
Hausgeld bei der Renditeberechnung
Wenn Sie die Wohnung als Kapitalanlage kaufen, ist das Hausgeld ein entscheidender Faktor in Ihrer Renditeberechnung. Der nicht umlagefähige Teil (Verwaltung, Instandhaltungsrücklage) geht voll zu Ihren Lasten und reduziert Ihre Nettomietrendite direkt.
Als Faustregel: Rechnen Sie bei der Nettomietrendite mit 20–35 % des Hausgelds als Ihrem Eigenanteil — den Rest können Sie auf den Mieter umlegen.
Was tun, wenn das Hausgeld zu hoch ist?
Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Hausgeld ist unverhältnismäßig hoch, haben Sie folgende Möglichkeiten:
- Jahresabrechnung und Wirtschaftsplan detailliert prüfen lassen
- In der Eigentümerversammlung Kostenpositionen hinterfragen
- Hausverwalter wechseln (Abstimmung in WEG nötig)
- Günstigere Dienstleister für Versicherung, Gartenpflege etc. vorschlagen
Mehr zu Ihren Rechten als Eigentümer in der WEG und zum Vorgehen bei Hausgeld-Erhöhungen lesen Sie in unseren weiterführenden Artikeln.
Fazit
Das Hausgeld ist kein Posten, den Sie vor dem Kauf ignorieren sollten. Prüfen Sie Höhe, Zusammensetzung und vor allem die Instandhaltungsrücklage sorgfältig — sie ist das Barometer der finanziellen Gesundheit einer WEG. Unser Immobilienwert-Rechner hilft Ihnen, den fairen Kaufpreis unter Berücksichtigung aller laufenden Kosten zu ermitteln.