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Immobilienkauf ohne Eigenkapital: Wann es geht und welche Risiken bestehen

Vollfinanzierung ohne Eigenkapital — möglich, aber riskant. Was Banken verlangen, welche Zinsaufschläge entstehen und wann es sich trotzdem lohnen kann.

Immobilienkauf ohne Eigenkapital: Wann es geht und welche Risiken bestehen

Wer keine Ersparnisse hat, muss trotzdem nicht auf den Immobilienkauf verzichten — zumindest nicht immer. Die sogenannte Vollfinanzierung (auch 110 %-Finanzierung) ermöglicht den Kauf ohne Eigenkapital. Aber sie hat ihren Preis.

Was bedeutet Vollfinanzierung?

Bei einer normalen Baufinanzierung empfehlen Banken 20–30 % Eigenkapital. Bei der Vollfinanzierung wird auch die Kaufpreiszahlung zu 100 % fremdfinanziert. Bei einer 110 %-Finanzierung werden zusätzlich die Nebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler) mitfinanziert.

Wann geben Banken Vollfinanzierungen?

Immobilienkauf ohne Eigenkapital: Wann es geht und welche Risiken bestehen
  • Bei sehr guter Bonität des Kreditnehmers (keine negativen Schufa-Einträge, sicheres Einkommen)
  • Bei sehr gutem Beleihungsobjekt (Top-Lage, guter Zustand)
  • Bei hohem Einkommen im Verhältnis zum Kreditbetrag
  • Manche Banken finanzieren bis 100 % LTV (Loan-to-Value), einige bis 110 %

Was kostet die Vollfinanzierung mehr?

FinanzierungEigenkapitalZinsaufschlagBeispiel (300.000 €, 10 J.)
Standard (80 % LTV)60.000 € (20 %)3,5 % → 1.500 €/Monat
Hoch (90 % LTV)30.000 € (10 %)0,3–0,5 %3,9 % → 1.575 €/Monat
Voll (100 % LTV)0 €0,6–1,0 %4,3 % → 1.650 €/Monat
110 % (inkl. NK)0 €1,0–1,5 %4,7 % → 1.740 €/Monat

Über 20 Jahre Laufzeit kann der Zinsaufschlag bei 300.000 € Kredit schnell 20.000–40.000 € mehr bedeuten.

Risiken der Vollfinanzierung

  • Negativer Eigenkapitalpuffer: Sinken die Immobilienpreise, sind Sie schnell "underwater" — Schulden > Immobilienwert
  • Kein finanzieller Puffer: Ungeplante Reparaturen können die Liquidität ernsthaft gefährden
  • Zinsänderungsrisiko: Bei steigenden Zinsen und laufendem Kredit droht Anpassungsschock
  • Bankrisiko: Kreditkündigung bei Bonitätsverschlechterung theoretisch möglich

Wann kann sich eine Vollfinanzierung trotzdem lohnen?

  • Wenn der Mietmarkt so teuer ist, dass die Kreditrate niedriger ist als die Miete
  • Wenn Sie in einer Top-Lage kaufen und sicher steigende Preise erwarten
  • Wenn Ihr Einkommen sehr stabil und hoch ist (Beamte, Ärzte, gut verdienende Angestellte)
  • Wenn Sie Eigenkapital haben, es aber nicht einsetzen wollen (Liquiditätserhalt)

Alternativen zur Vollfinanzierung

  • Elterndarlehen: Zinsgünstiger Kredit von den Eltern als Eigenkapitalersatz
  • Förderungen: KfW-Programm 124 oder Landesförderung als ergänzendes Eigenkapital
  • Bausparvertrag: Langfristig ansparen — dann mit mehr Eigenkapital kaufen
  • Warten: 2–3 Jahre konsequent sparen und dann mit Eigenkapital kaufen

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Fazit

Vollfinanzierung ist möglich, aber kein risikofreier Weg. Wer in einer teuren Mietstadt kaufen will, ein stabiles Einkommen hat und eine Top-Immobilie im Auge hat, kann es verantwortungsvoll angehen. Für alle anderen gilt: Erst sparen, dann kaufen — und mindestens die Nebenkosten aus eigenen Mitteln stemmen.

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