Wertermittlung

Die 6 häufigsten Fehler bei der Immobilienbewertung — und wie man sie vermeidet

Fehler bei der Immobilienbewertung können zehntausende Euro kosten — zu hoch bewertet führt zu keinem Käufer, zu niedrig kostet bares Geld. Diese 6 Fehler passieren am häufigsten.

Die 6 häufigsten Fehler bei der Immobilienbewertung — und wie man sie vermeidet

Fehler 1: Kaufpreis mit Marktwert verwechseln

Was man bezahlt hat, ist nicht was die Immobilie heute wert ist. Wer 2019 für 350.000 € gekauft hat und 2023 mit demselben Preis verkaufen will, übersieht den Wertzuwachs (2019–2022 +40–60 %) genauso wie er den Rückgang 2022–2023 unterschätzt. Marktwert = heutiger Preis, nicht historischer Kaufpreis.

Fehler 2: Renovierungskosten aufschlagen

Die 6 häufigsten Fehler bei der Immobilienbewertung — und wie man sie vermeidet

Ich habe 40.000 € renoviert → also 40.000 € mehr ansetzen. Falsch: Renovierungen steigern den Wert nicht 1:1. Der Markt bewertet den Zustand, nicht die Ausgaben. Eine neue Küche für 18.000 € steigert den Wert um 5.000–10.000 €. Der Rest ist persönlicher Geschmack — den zahlt niemand.

Fehler 3: Wohnfläche falsch berechnen

Viele Eigentümer kennen ihre tatsächliche WoFlV-Fläche nicht. Häufige Fehler:

  • Keller oder Abstellräume außerhalb der Wohnung als Wohnfläche angesetzt
  • Dachschrägen vollständig gezählt (unter 1 m: 0 %, 1–2 m: 50 %)
  • Balkon zu 100 % gezählt (maximal 50 % nach WoFlV)

Folge: Wohnfläche um 10–20 % überschätzt → Preis/m² zu niedrig → Käufer, die nachrechnen, verhandeln aggressiv.

Fehler 4: Nur Angebotspreise als Vergleich

ImmoScout24-Preise sind Angebotspreise — nicht Kaufpreise. Tatsächliche Kaufpreise liegen 5–15 % darunter. Wer ausschließlich Angebote vergleicht, setzt seinen Preis zu hoch an und wundert sich, warum niemand kauft.

Lösung: Kaufpreissammlungen der Gutachterausschüsse nutzen (regional verfügbar, ca. 10–50 €).

Fehler 5: Lage nicht richtig einpreisen

Lage ist der wichtigste Wertfaktor — aber schwer zu quantifizieren. Häufige Fehler:

  • Hauptstraßen-Lärm nicht berücksichtigt: Abzug 8–15 %
  • ÖPNV-Anbindung zu wenig gewichtet: Unterschied 5–12 %
  • Zukünftige Bebauung ignoriert (neues Hochhaus verbaut Aussicht → Wertminderung)
  • Mikrolage-Verbesserungen nicht eingerechnet (neue U-Bahn-Station in 3 Jahren → Aufwertung)

Fehler 6: Emotionen spielen keine Rolle

Verkäufer, die in der Immobilie gewohnt haben, überschätzen den Wert durch emotionale Bindung systematisch um 5–15 %. Käufer wiederum unterschätzen bei starkem Interesse den tatsächlichen Marktwert. Beide Seiten sollten externe Bewertung als Anker nutzen.

Wie man es richtig macht

  1. Bodenrichtwert recherchieren (BORIS, kostenlos)
  2. Mindestens 10 Vergleichsangebote analysieren
  3. Kaufpreissammlung des Gutachterausschusses einholen
  4. Online-Wertermittlung als Plausibilitätsprüfung: Unser kostenloser Rechner
  5. Bei Unsicherheit: Gutachter beauftragen (800–2.500 €)

Weiterführende Ratgeber

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