Ratgeber

Haus kaufen ohne Eigenkapital: Vollfinanzierung — wann das funktioniert und wann nicht

Ohne Erspartes ins Eigenheim? Eine Vollfinanzierung ist möglich — aber riskant. Was Banken fordern, wie die Konditionen aussehen und wann es eine sinnvolle Option ist.

Haus kaufen ohne Eigenkapital: Vollfinanzierung — wann das funktioniert und wann nicht

Was ist eine Vollfinanzierung?

Bei einer Vollfinanzierung finanzieren Sie 100 % des Kaufpreises per Kredit — ohne Eigenkapital einzusetzen. Bei einer 110 %-Finanzierung werden sogar die Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler) mitfinanziert.

Das klingt verlockend — hat aber erhebliche Nachteile bei Zins und Risiko.

Was verlangen Banken für eine Vollfinanzierung?

Haus kaufen ohne Eigenkapital: Vollfinanzierung — wann das funktioniert und wann nicht
  • Sehr gute Bonität: SCHUFA-Score über 95 %, keinerlei negative Einträge
  • Hohes, stabiles Einkommen: Monatliche Rate darf max. 35–40 % des Nettoeinkommens betragen
  • Sicherer Arbeitsplatz: Unbefristete Festanstellung bevorzugt (Beamte = beste Konditionen)
  • Werthaltiges Objekt: Bank bewertet die Immobilie intern — Beleihungswert muss stimmen
  • Lebensversicherung / Bürgschaft: Als zusätzliche Sicherheit oft gefordert

Wie viel teurer ist eine Vollfinanzierung?

EigenkapitalquoteEffektivzins (2026)Monatliche Rate (300k)Gesamtzinsen (25 J.)
30 % EK3,6 %1.285 €~105.000 €
20 % EK3,9 %1.344 €~115.000 €
10 % EK4,3 %1.424 €~127.000 €
0 % EK (100 %)4,8 %1.529 €~145.000 €
0 % EK (110 %)5,2 %1.615 €~165.000 €

Die Vollfinanzierung kostet über 25 Jahre 40.000–60.000 € mehr Zinsen als eine Finanzierung mit 30 % Eigenkapital.

Risiken der Vollfinanzierung

  • Überschuldungsgefahr: Bei Einkommensausfall keine Puffer
  • Negativer Puffer: Bei Preisrückgang (wie 2022–2024) schulden Sie mehr als die Immobilie wert ist
  • Anschlussfinanzierungsrisiko: In 10 Jahren müssen Sie zu möglicherweise höheren Zinsen refinanzieren — ohne EK-Puffer
  • Keine Liquiditätsreserve: Jede Reparatur wird zum Problem

Wann kann eine Vollfinanzierung sinnvoll sein?

  • Sie haben zwar kein EK, aber erhebliches Vermögen in Wertpapieren, das Sie nicht liquidieren wollen (Opportunitätskosten)
  • Sie sind Beamter mit Unkündbarkeit und sehr sicherem Einkommen
  • Die Immobilie liegt in einer sehr gefragten Lage mit stabiler Wertentwicklung
  • Sie planen, innerhalb von 2–3 Jahren aus einem Erbe oder Bonus EK nachzuschieben

Alternativen zur Vollfinanzierung

  • KfW-Kredit: Günstigere Konditionen, ergänzt Bankfinanzierung
  • Elterndarlehen: Familie leiht EK-ähnlich zu günstigen Konditionen
  • Bausparvertrag als Überbrückung: 20.000–30.000 € ansparen, dann kaufen
  • Wohnriester: Vermögen aus Riester kann als EK eingebracht werden

Checklist: Vor der Vollfinanzierung prüfen

  • [ ] Monatliche Rate maximal 35 % des Nettoeinkommens?
  • [ ] Rücklage für Instandhaltung separat vorhanden (mind. 3 Monatsmieten als Reserve)?
  • [ ] SCHUFA eingeholt und geprüft?
  • [ ] Mindestens 3 Banken verglichen?
  • [ ] Sondertilgungsoptionen verhandelt (für spätere EK-Einbringung)?

Weiterführende Ratgeber

Teilen: