Kapitalanlage

Ferienimmobilie als Investment: Rendite, Risiken und Steuer im Überblick

Ferienwohnungen versprechen hohe Renditen — aber die Realität ist komplexer. Was wirklich bei Rendite, Steuer, Verwaltungsaufwand und Marktrisiken zu beachten ist.

Ferienimmobilie als Investment: Rendite, Risiken und Steuer im Überblick

Die Versprechen vs. die Realität

Werbeversprechen: "10 % Rendite mit Ihrer Ferienwohnung auf Sylt!" Realität: Nach Leerstand, Verwaltung, Reinigung, Abgaben und Steuern bleiben oft 3–5 % netto übrig — vergleichbar mit gut gemanagtem Dauermietobjekt, aber mit deutlich mehr Aufwand.

Einnahmen: Was realistisch ist

Ferienimmobilie als Investment: Rendite, Risiken und Steuer im Überblick

Beispiel: Ferienwohnung Ostsee, 60 m², Kaufpreis 280.000 €.

  • Belegungsquote: 65 % (= 237 Tage/Jahr) — realistischer Wert für guten Standort
  • Durchschnittlicher Tagespreis: 120 € (Hoch- und Nebensaison gemittelt)
  • Brutto-Jahreseinnahmen: 237 × 120 = 28.440 €
  • Abzüge: Verwaltung/Booking (20 %) = 5.688 €; Reinigung = 3.000 €; Instandhaltung = 2.000 €; Leerstand-Nebenkosten = 1.500 €
  • Nettojahresertrag vor Steuer: 16.252 €
  • Nettomietrendite: 16.252 / 308.000 (inkl. NK) = 5,3 %

Kosten, die häufig vergessen werden

  • Kurtaxe / Tourismusabgabe (in vielen Gemeinden: 1–3 €/Gast/Nacht)
  • Hausgeld (bei ETW: 300–500 €/Monat für WEG-Rücklage, Verwalter)
  • Möblierung: 15.000–30.000 € alle 8–10 Jahre erneuern
  • Zweitwohnungsteuer (in manchen Gemeinden: 10–16 % des Mietwerts/Jahr)
  • Saisonschwankungen: Winter 30–40 % Belegung, Sommer 85–95 %

Steuerliche Aspekte

Gewerbliche vs. private Vermietung

Vermietung an Feriengäste: Grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig (7 % auf Vermietungsumsatz) wenn Umsatz über 22.000 €/Jahr (Kleinunternehmergrenze). Unter 22.000 €: Kleinunternehmerregelung möglich → keine USt, aber auch kein Vorsteuerabzug.

AfA und Abzüge

  • AfA auf Gebäudeanteil: 2 % p. a. (oder 2,5 % bei Ferienimmobilien, die vor 2023 gebaut wurden)
  • Alle laufenden Kosten absetzbar: Zinsen, Verwaltung, Möbel (GWG unter 800 € sofort, darüber über Nutzungsdauer)
  • Werbungskosten: Fahrten zur Immobilie, Telefon, Buchhaltung

Spekulationsfrist

Gilt auch für Ferienimmobilien: Verkauf nach unter 10 Jahren → Spekulationssteuer auf Gewinn. Ausnahme: Im Verkaufsjahr + 2 Vorjahren selbst genutzt.

Standortrisiken

  • Tourismusschwankungen (Wetter, geopolitisch)
  • Airbnb-Verbote: München, Berlin, Hamburg schränken Kurzzeitvermietung ein
  • Mieterrechte: In manchen Gemeinden müssen Ferienimmobilien als Dauervermietung dienen
  • Überschwemmungsgebiet, Sturmflut-Risiko in Küstenlagen

Checkliste: Ferienimmobilie kaufen

  • Belegungsstatistik der Region prüfen (Tourismusverband)
  • Airbnb-Regulierung der Gemeinde prüfen
  • Verwaltungsgesellschaft vor Ort gefunden?
  • Hausgeld und Rücklagen bei ETW prüfen
  • Zweitwohnungsteuer recherchieren
  • Steuerberater mit Spezialgebiet Ferienvermietung konsultieren

Weiterführende Ratgeber

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