Wertermittlung

Exposé lesen wie ein Profi: Worauf wirklich ankommt

Ein Exposé verrät mehr als es zeigt. Wir erklären, welche Angaben Pflicht sind, welche Signale auf Probleme hinweisen und wie Sie zwischen den Zeilen lesen.

Exposé lesen wie ein Profi: Worauf wirklich ankommt

Was ein Exposé enthalten muss

Exposé lesen wie ein Profi: Worauf wirklich ankommt

Ein professionelles Exposé enthält laut §§ 16a EnEV und MaBV mindestens: Grundriss, Energieausweis-Kenndaten, Baujahr, Wohnfläche, Kaufpreis, Nebenkosten-Hinweis, Zustand, Lage-Beschreibung und Makler-Kontakt. Fehlt ein Pflichtfeld? Vorsicht — oft kein Zufall.

Die 7 wichtigsten Exposé-Signale

  1. Wohnfläche: Steht "ca." dabei? Dann kann die echte Fläche ±10 % abweichen. Immer Grundriss nachrechnen (DIN 277 vs. WoFlV — Unterschied bis 15 %)
  2. Baujahr: Vor 1978 → Asbestgefahr prüfen. 1960er–1980er → Fernwärme-Abhängigkeit und Sanierungsstau häufig
  3. Fotos: Keine Bilder von Keller, Bad, Heizungskeller? Dort sind oft die Probleme
  4. Energieausweis: Klasse E–H = hohe Heizkosten + Sanierungspflicht ab 2028 (GEG). Deutlichen Preisabzug kalkulieren
  5. Vermietungsstatus: "Vermietet" = kein sofortiger Eigenbedarf. Mietpreisangabe fehlt? Immer nachfragen — beeinflusst Rendite massiv
  6. Grundriss: Lange Flure, viele kleine Zimmer = ungünstige Fläche. Tragende Wände beim Umbau entscheidend
  7. Preis ohne Nebenkosten: Realer Kaufpreis = Angebotspreis + 8–15 % Nebenkosten (GrESt, Notar, Makler, Grundbuch)

Red-Flag-Formulierungen im Exposé

  • "Renovierungsbedürftig" = oft Sanierungsstau von 20.000–80.000 €
  • "Charmanter Altbau" = oft keine Dämmung, alte Fenster, feuchte Keller
  • "Kapitalanleger geeignet" = meist schwierig zu vermieten oder schlechte Lage
  • "Direktverkauf vom Eigentümer" = kein Makler-Puffer, höheres Verhandlungsrisiko
  • Kein Baujahr genannt = oft pre-1960er mit unbekannten Baumaterialien

Checkliste: Was ich vor der Besichtigung recherchiere

  • Bodenrichtwert (BORIS) für PLZ prüfen
  • Kaufpreissammlung des Gutachterausschusses konsultieren
  • Google Street View: Lage, Nachbarschaft, Parksituation
  • Fluglärm-Check (DFS), Überschwemmungsgebiet (ZÜRS), Altlastenkataster
  • Mietspiegel prüfen (bei Vermietung: realistische Nettomiete schätzen)

Weiterführende Ratgeber

Teilen: