Wertermittlung

Sachwertfaktor: Berechnung, Tabelle und Bedeutung 2026

Was ist der Sachwertfaktor und wie berechnet man ihn? Tabelle mit aktuellen Werten, Anwendung im Sachwertverfahren und Tipps für Käufer und Gutachter.

Sachwertfaktor: Berechnung, Tabelle und Bedeutung 2026

Der Sachwertfaktor ist eine Größe, die nur Experten und Immobilienkäufer kennen, die sich wirklich mit der Bewertung auseinandersetzen. Er ist entscheidend dafür, wie der theoretische Sachwert einer Immobilie in einen marktkonformen Preis umgerechnet wird. Wir erklären, was dahintersteckt.

Was ist der Sachwertfaktor?

Im Sachwertverfahren wird zunächst der vorläufige Sachwert einer Immobilie berechnet — aus Bodenwert und Gebäudesachwert. Dieser vorläufige Sachwert entspricht aber selten dem tatsächlichen Marktwert. Der Sachwertfaktor (auch: Marktanpassungsfaktor) korrigiert diesen Unterschied:

Marktkonformer Sachwert = Vorläufiger Sachwert × Sachwertfaktor

Ein Faktor über 1,0 bedeutet: Der Markt zahlt mehr als der reine Sachwert. Ein Faktor unter 1,0 bedeutet: Der Markt zahlt weniger.

Warum gibt es diesen Korrekturfaktor?

Sachwertfaktor: Berechnung, Tabelle und Bedeutung 2026

Der Sachwert berücksichtigt technische und bauliche Kosten, aber nicht die Marktlage. In begehrten Lagen (München, Hamburg) wird eine Immobilie für mehr verkauft, als ihr theoretischer Sachwert beträgt — weil die Nachfrage das Angebot übersteigt. In strukturschwachen Regionen ist das Gegenteil der Fall.

Sachwertfaktor-Tabelle nach Region (Orientierung 2026)

RegionSachwertfaktor (Orientierung)Marktlage
München, Frankfurt (Top-Lagen)1,4 – 2,0Sehr hohe Nachfrage
Hamburg, Stuttgart, Berlin1,2 – 1,6Hohe Nachfrage
Düsseldorf, Köln, Nürnberg1,0 – 1,4Gute Nachfrage
Mittelstädte (West)0,9 – 1,2Ausgeglichen
Kleinstädte und ländliche Lagen (West)0,7 – 1,0Schwächere Nachfrage
Ländliche Lagen Ostdeutschland0,5 – 0,8Wenig Nachfrage

Wie wird der Sachwertfaktor ermittelt?

Die Gutachterausschüsse der Kommunen ermitteln den Sachwertfaktor aus einer statistischen Auswertung tatsächlicher Kauffälle. Sie berechnen für jede Transaktion den Quotienten aus gezahltem Kaufpreis und vorläufigem Sachwert — und bilden daraus Mittelwerte für verschiedene Lagen und Objekttypen.

Diese Werte werden in Sachwertfaktor-Tabellen veröffentlicht, die Gutachter als Grundlage für ihre Bewertungen nutzen.

Sachwertfaktor im Sachwertverfahren — Schritt für Schritt

  1. Bodenwert ermitteln: Bodenrichtwert × Grundstücksfläche
  2. Herstellungskosten berechnen: Wohnfläche × Normalherstellungskosten (NHK 2010, indexiert)
  3. Alterswertminderung abziehen: Abhängig von Baujahr und Restnutzungsdauer
  4. Vorläufiger Sachwert: Bodenwert + Gebäudesachwert nach Minderung
  5. Sachwertfaktor anwenden: Vorläufiger Sachwert × regional ermittelter Faktor
  6. Marktkonformer Sachwert: Das Ergebnis

Praxisbeispiel

PositionBetrag
Bodenwert (500 m² × 400 €/m²)200.000 €
Herstellungskosten (150 m² × 1.400 €/m²)210.000 €
Alterswertminderung (25 % bei 20 Jahren)−52.500 €
Gebäudesachwert157.500 €
Vorläufiger Sachwert357.500 €
Sachwertfaktor (z.B. 1,15 für gute Lage)× 1,15
Marktkonformer Sachwert411.125 €

Sachwertfaktor vs. Liegenschaftszins

Beide Faktoren erfüllen eine ähnliche Funktion — die Marktanpassung — aber in verschiedenen Verfahren:

Fazit

Der Sachwertfaktor macht aus einer theoretischen Zahl einen realistischen Marktwert. Als Käufer sollten Sie wissen, in welchem Sachwertfaktor-Bereich Ihr Zielobjekt liegt — und ob der geforderte Kaufpreis dazu passt. Unser kostenloser Immobilienwert-Rechner hilft Ihnen dabei. Mehr zum vollständigen Sachwertverfahren erklären wir in unserem Artikel Sachwertverfahren: Berechnung mit Beispiel.

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