Immobilien-Crowdinvesting: Kleine Beträge, große Versprechen
Ab 500 € in Immobilien investieren — ohne Notar, ohne Bank, ohne Verwaltungsaufwand. Das klingt verlockend. Aber Crowdinvesting hat seine Tücken. Dieser Artikel erklärt, wie es wirklich funktioniert und worauf Sie achten sollten.
Wie funktioniert Immobilien-Crowdinvesting?

Beim Crowdinvesting sammeln Plattformen Kapital von vielen Kleinanlegern und leiten es als Darlehen an Projektentwickler weiter. Sie als Anleger sind kein direkter Immobilieneigentümer, sondern Darlehensgeber.
Typischer Ablauf
- Entwickler stellt Projekt auf Plattform vor (z. B. Neubau Mehrfamilienhaus)
- Anleger investieren jeweils kleine Beträge (ab 100–1.000 €)
- Plattform bündelt Kapital und gibt Darlehen an Entwickler
- Entwickler zahlt Zinsen während der Laufzeit
- Am Laufzeitende: Rückzahlung des Kapitals
Plattformen im Vergleich 2026
| Plattform | Mindestanlage | Rendite p.a. | Laufzeit | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Exporo | 500 € | 4–7 % | 12–36 Monate | Größte DE-Plattform, Sekundärmarkt |
| Engel & Völkers Digital Invest | 100 € | 4–6 % | 12–24 Monate | Bekannte Marke, überschaubare Auswahl |
| Zinsbaustein | 500 € | 4–6 % | 12–36 Monate | Fokus auf Bestandsobjekte |
| Bergfürst | 10 € | 3–6 % | 12–60 Monate | Niedrigste Einstiegsschwelle |
| Crowddesk | 500 € | 4–7 % | 12–48 Monate | Technologieplattform für mehrere Emittenten |
Chancen des Crowdinvestings
- Niedrige Einstiegsschwelle: Immobilien-Investment ab 100 €
- Keine Verwaltungsarbeit: Kein Mieter, kein Handwerker, kein Grundbuch
- Diversifikation: Kleinere Beträge auf mehrere Projekte verteilen
- Attraktive Zinsen: 4–7 % p.a. deutlich über Tagesgeld
- Kurze Laufzeiten: Kapital meist nach 1–3 Jahren wieder verfügbar
Risiken — das sollten Sie wissen
Risiko 1: Nachrangdarlehen = Totalverlustrisiko
Die meisten Crowdinvestments sind als Nachrangdarlehen strukturiert. Das bedeutet: Im Insolvenzfall werden Sie als Anleger erst nach allen anderen Gläubigern bedient. In der Praxis heißt das oft: Totalverlust. Das ist der entscheidende Unterschied zu direktem Immobilieneigentum.
Risiko 2: Projektverzögerungen und -ausfälle
Bauprojekte laufen oft nicht wie geplant. Kostenüberschreitungen, Genehmigungsprobleme, Insolvenz des Entwicklers — das alles kann Ihre Rendite beeinträchtigen oder das Kapital gefährden. Ausfallquoten bei deutschen Plattformen lagen historisch bei 5–15 % je nach Plattform und Zeitraum.
Risiko 3: Kein geregelter Sekundärmarkt
Ihr Geld ist für die Laufzeit gebunden. Nur wenige Plattformen (z. B. Exporo) bieten einen Sekundärmarkt, auf dem Sie Anteile vorzeitig verkaufen können — oft mit Abschlag.
Risiko 4: Regulatorische Risiken
Die BaFin reguliert Crowdinvesting-Plattformen. Änderungen der regulatorischen Anforderungen können Plattformen zwingen, Geschäftsmodelle anzupassen oder zu schließen.
So investieren Sie sicher(er)
- Nie mehr als 10 % des Anlagekapitals in Crowdinvesting: Klumpenrisiko vermeiden
- Auf mehrere Projekte verteilen: Mindestens 5–10 verschiedene Projekte
- BaFin-registrierte Plattformen nutzen: Prüfen unter bafin.de
- Projekt-Due-Diligence selbst machen: Standort, Entwickler, Finanzierung prüfen
- Laufende Gebühren beachten: Manchmal versteckte Kosten
Crowdinvesting vs. direkte Immobilienanlage
| Kriterium | Crowdinvesting | Direkte Anlage |
|---|---|---|
| Einstiegssumme | Ab 100 € | Ab ~50.000 € Eigenkapital |
| Eigentumsrecht | Nein (Darlehensgeber) | Ja |
| Verwaltungsaufwand | Keiner | Hoch |
| Renditepotenzial | 4–7 % (fix) | 3–8 % + Wertsteigerung |
| Verlustrisiko | Bis Totalverlust | Wertrückgang möglich |
| Steuerliche Vorteile | Keine AfA | AfA möglich |