Ratgeber

Forward-Darlehen: Wann es sich lohnt und wie man taktisch vorgeht

Das Forward-Darlehen sichert Ihnen den Zinssatz für die Anschlussfinanzierung schon heute. Wann es sinnvoll ist — und wann nicht.

Forward-Darlehen: Wann es sich lohnt und wie man taktisch vorgeht

Das Forward-Darlehen ist ein Instrument, um sich bereits heute den Zinssatz für eine zukünftige Anschlussfinanzierung zu sichern — bis zu 5 Jahre im Voraus. In Phasen steigender Zinsen kann das eine erhebliche Ersparnis bedeuten. Doch es gibt auch Risiken, die man kennen muss.

Wie funktioniert ein Forward-Darlehen?

Sie vereinbaren heute mit einer Bank einen Kredit zu einem festgelegten Zinssatz — der aber erst in der Zukunft (z.B. in 2 Jahren) ausgezahlt wird, wenn Ihre bestehende Zinsbindung ausläuft. Die Bank sichert sich diesen Zinssatz durch einen Forward-Aufschlag auf den aktuellen Zins.

Forward-ZeitraumTypischer Aufschlag
6–12 Monate0,05–0,15 % p.a.
12–24 Monate0,15–0,30 % p.a.
24–36 Monate0,25–0,50 % p.a.
36–48 Monate0,40–0,70 % p.a.
48–60 Monate0,60–1,00 % p.a.

Wann lohnt sich ein Forward-Darlehen?

Forward-Darlehen: Wann es sich lohnt und wie man taktisch vorgeht

Das Forward-Darlehen lohnt sich, wenn:

  • Sie fest damit rechnen, dass die Zinsen bis zu Ihrer Anschlussfinanzierung steigen werden
  • Der Forward-Aufschlag kleiner ist als der erwartete Zinsanstieg
  • Sie Planungssicherheit schätzen und lieber einen fixen Kostenpunkt haben
  • Ihre aktuelle Zinsbindung in 1–5 Jahren ausläuft

Wann lohnt es sich NICHT?

  • Wenn die Zinsen stabil bleiben oder sogar fallen — Sie zahlen den Aufschlag ohne Gegenleistung
  • Wenn Sie noch 7+ Jahre Zinsbindung haben — zu weit in die Zukunft spekulieren
  • Wenn Sie planen, die Immobilie vor der Anschlussfinanzierung zu verkaufen
  • Bei unsicherem Einkommen oder möglichem Umzug

Beispielrechnung: Lohnt sich das Forward-Darlehen?

SzenarioOhne ForwardMit Forward (3 J.)
Aktuelle Konditionen3,5 %3,5 % + 0,4 % = 3,9 %
Restschuld bei Ablauf200.000 €200.000 €
Zinsen Jahr 1–10 (ohne Forward)→ 4,8 % (angenommen)3,9 %
Ersparnis bei 0,9 % weniger1.800 € / Jahr = 18.000 € über 10 Jahre

Bei dieser Rechnung hätte das Forward-Darlehen mehr als das Dreifache des Aufschlags eingespart. Aber: Fallen die Zinsen statt zu steigen, kehrt sich das Vorzeichen um.

Wo Forward-Darlehen abschließen?

  • Bei Ihrer Hausbank (oft schlechtere Konditionen)
  • Über unabhängige Vermittler wie Interhyp, Dr. Klein, Baufi24
  • Direktbanken mit Baufinanzierung (ING, Commerzbank)
  • Vergleichen Sie immer mindestens 3 Angebote

Wichtige Vertragsbedingungen prüfen

  • Verbindlichkeit: Haben Sie ein Rücktrittsrecht? Meistens nicht — Sie müssen abnehmen
  • Bereitstellungszinsen: Was passiert, wenn sich der Auszahlungstermin verschiebt?
  • Sondertilgung: Sind auch beim Forward-Darlehen Sondertilgungen möglich?
  • Vorfälligkeitsentschädigung: Was kostet ein Ausstieg?

Zur Strategie bei der Anschlussfinanzierung lesen Sie auch Sondertilgung clever einsetzen und den Vergleich der Zinsbindungsfristen.

Fazit

Das Forward-Darlehen ist kein Allheilmittel — es ist eine Wette auf steigende Zinsen. Wer richtig liegt, spart erheblich. Wer falsch liegt, zahlt den Aufschlag ohne Nutzen. Sinnvoll ist es vor allem bei klaren Zinssteigerungstendenzen und einem Forward-Zeitraum von 1–3 Jahren.

Teilen: