Bevor Sie ein Grundstück kaufen oder bebauen, müssen Sie den Bebauungsplan (B-Plan) kennen. Er ist rechtlich verbindlich und legt fest, was auf einem Grundstück erlaubt ist — und was nicht. Viele Kaufinteressenten übersehen ihn oder verstehen ihn nicht.
Was ist ein Bebauungsplan?
Der Bebauungsplan ist ein gemeindlicher Rechtsakt (Satzung), der auf Basis des Baugesetzbuchs (BauGB) und der Baunutzungsverordnung (BauNVO) festlegt:
- Welche Gebäude und Nutzungen zulässig sind
- Wie groß und hoch Gebäude sein dürfen
- Wo auf dem Grundstück gebaut werden darf
- Welche Dachform oder Fassadengestaltung vorgeschrieben ist
Gibt es keinen B-Plan, gilt § 34 BauGB (Innenbereich) oder § 35 BauGB (Außenbereich).
Die wichtigsten Nutzungsarten im Überblick

| Kürzel | Bezeichnung | Typische Nutzung |
|---|---|---|
| WA | Allgemeines Wohngebiet | Wohnhäuser, kleine Läden, Büros |
| WR | Reines Wohngebiet | Nur Wohngebäude, kein Gewerbe |
| MI | Mischgebiet | Wohnen + Gewerbe gleichrangig |
| GE | Gewerbegebiet | Betriebe, Lager, kein Wohnen |
| GI | Industriegebiet | Industrie, störende Betriebe |
| SO | Sondergebiet | Einkaufszentren, Hotels, Kliniken |
| MK | Kerngebiet | Innenstädte, Verwaltung, Handel |
Wichtige Kennzahlen im B-Plan
GRZ — Grundflächenzahl
Gibt an, wie viel des Grundstücks bebaut werden darf. GRZ 0,4 bedeutet: 40 % der Grundstücksfläche darf überbaut werden. Bei 500 m² Grundstück = maximal 200 m² Gebäudefläche (Grundriss).
GFZ — Geschossflächenzahl
Gibt das Verhältnis der Gesamtgeschossfläche zur Grundstücksfläche an. GFZ 1,2 auf 500 m² = maximal 600 m² Gesamtgeschossfläche über alle Stockwerke.
Baulinie / Baugrenze
- Baulinie: Gebäude muss genau auf dieser Linie stehen
- Baugrenze: Gebäude darf nicht darüber hinaus gebaut werden, davor aber schon
Anzahl der Vollgeschosse (z.B. II oder III)
Legt fest, wie viele Vollgeschosse gebaut werden dürfen. "II" = maximal 2 Vollgeschosse.
Wo finden Sie den Bebauungsplan?
- Gemeinde-Website (häufig als PDF oder interaktive Karte)
- Baurechtsamt / Stadtplanungsamt der zuständigen Gemeinde
- Beim Grundstückskauf: Immer B-Plan anfordern und sorgfältig lesen
Was tun, wenn der B-Plan nicht passt?
Befreiungen und Ausnahmen (§ 31 BauGB) sind möglich, aber nicht garantiert. Wenn Sie etwas planen, das vom B-Plan abweicht:
- Bauvoranfrage bei der Baubehörde stellen
- Prüfen, ob ein Bebauungsplan geändert werden kann (langwieriges Verfahren)
- Rechtlich prüfen lassen, ob eine Befreiung möglich ist
Beim Grundstückskauf ist die B-Plan-Prüfung daher unerlässlich. Lesen Sie dazu auch unsere Tipps zum Erbbaurecht und zum Checkliste vor dem Notartermin.
Checkliste: B-Plan vor dem Grundstückskauf
- ☑ B-Plan beim Baurechtsamt oder online anfordern
- ☑ Nutzungsart (WA, MI, GE etc.) prüfen
- ☑ GRZ und GFZ berechnen — reicht Fläche für geplantes Gebäude?
- ☑ Baugrenzen und -linien einzeichnen lassen
- ☑ Dachform und Gestaltungsvorschriften lesen
- ☑ Ggf. Bauvoranfrage stellen vor dem Kauf
- ☑ Erschließung (Wasser, Strom, Kanal) klären